KLAUS KLATTKE: Keen Afolgsmodell – Der Euro im Berliner Dialekt!

Für wat findet die Berliner Schnauze nich allet nen eijenen Begriff. Ooch beim Jeld hatte der Berliner ne eijene Währung. Da jab et Spandau-Dollar, Sechsa, Jroschen, Fuffzijer, Zwicken oda Pfunde. Eben nüscht, wat et nich jab und manchet komische. Man denke nur an den Sechsa. Doch irgendwann war denne Schluss mit der Berliner Währung. Der Euro kam. So heeßt er och im Berliner Jargon. Aus und vorbei war et mit der Dialektherrlichkeit. Manchmal hört man noch zaghaft alte Bejriffe, doch wirklich jeben tut et Spandau-Dollar und Co. nich mehr, und Nachfoljer fanden se nich. Den einzijen Beinamen Teuro jibt et deutschlandweit und ne Liebkosung iss der Name ja nu wahrlich nich.
Warum vasiegte also die Berliner Schnauze? Warum hielt se vornehm Distanz zur Euro-Währung?
Wat haben wa nicht allet alebt und übalebt. Wie schön kann man dit am Berliner Dialekt ablesen und abhörn. Und wenn uns de Worte im Halse stecken bleeben, denn iss wat im Busche. Wie jut, dess et Dialekte jibt. Die täuschen sich nich. Man muss eben bloß uff se hörn…
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3 Kommentare

  1. Ob Spandau-Dollar und Co oder so –
    ´ne volle Brieftasche finste nirjendwo.
    (awa bessa als inne hohle Hand jesch…)

    „Wenn jenauso ville Auslända zuwandan, wie Berlina auswandan, denn hält sich det Menschenmäßije in da Waage. Mit die Mundartpfleje isset denn awa so ´ne Sache.“

    (Frei nach Kalle Wumpe)

    100 Euro in juten Händen

    „Kalle, ick hab meine Brieftasche valorn!“
    „Kann ick dir ooch nich helfen. Wat war drinne?“
    „´n Hunni!“
    „Is der ooch weg?“
    „Klar, Döskopp!“
    „Denn hat sich´s ja jelohnt. Kiek ma, da winkt eena von unta die Brücke! Scheint, als hätta wat jefun´.“
    „Männeken, haste meine Brieftasche? Siehst awa schnieke aus, mit deine neue Hose!“
    „Hab se mir rausjenomm´, destawejen isse so zaknittat. Jibste mir Findalohn für die Brieftasche? Is escht Saffian!“

    Thomas Schmidt (Aus „Leidgenossen zwischen Krumme Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche“)

    1. Der klassische Berliner Dialekt iss zwar zur Zeit nen bissken uff’n Rückzuch. Aba die villen zujereisten bringen ooch ville neuet in de Stadt. Mal kieken, wat davon so allet in den Berliner Dialekt einfließt. Ick bin jespannt…

  2. Ick bin wejen mein Schuloffsatz anjemeijat. „Dialekt, woa hinpassen tut!“, hat unsa Lernfossil jesacht.

    Bin inne dritte Klasse. Jestan ham wa unsere Offsätze zurückjekricht. Wa sollten den Sinn vom Wald erläutan, zumal wa Frühling ham. Für Ausdruck und Rechtschreibung hab ick ´ne Sechse kassiert – voll krass eh! Unsa Lernfossil, also der Lehra, hat jesacht, det ´n Offsatz in Hochdeutsch vafasst wern muss. Mein Text sei Berlina Mundart, passend zu mein loset Mundwerk. Außerdem hätte mein Werk det Thema vafehlt – is doch pille palle! Awa det Wort Werk hat mir richtich stolz jemacht. Vielleicht wird ma ´n Roman draus, wenn ick jroß bin und mein Uffsatz is denn bloßet Vorwort. Und denn hat der Lehra jesacht, ick täte nich wissen, wo Boom wohnt. Bäume ham also ´ne Wohnung – wusste ick nich. Und üwahaupt – wat soll man vom Wald schon schreim, wenn man ´n Jrunewald vor lauta Bäume nich sieht. Jedenfalls sin Bäume Mörda, weil sich Leute an se totfahn oda offhäng´. Bäume sin ooch Brandstifta, weil Streichhölza aus se herjestellt wern. Vorjestan hat nämich eena ´n Baumarktt anjekokelt. Neulich hat mein Vata jesacht, det ville Polleticka Gene de Bäume ham wejen die Bretta vor de Köppe. Jestan hat ne Frau hinta ´ne Linde ihre Notdurft varischtet. Hab jesehn, det se Schlüppa von “Schießer“ anjehabt hat. Der Boom hat sich gar nich dafor intressiert. Also sin Bäume nich milletaristisch anjehaucht. Se sin ooch für de Umwelt jut, wejen die Assemillazjon. Awa Umweltvaschmutza sin se, weil ville Bürja Müllbeutel hinter se vastecken un wejen det Laub. Awa denn ham wieda ville Arweitslose Arweet, weil se ´n Müll uffsammeln un det Laub uffkehrn für een Euro pro Stunde. Mein Vata hat jesacht, det man vill essen muss, wenn man vill arweetet und fürn Euro krisste nich vill. Trotzdem schaffen Bäume Arweetsplätze. Im Jrunewald jibt´s schon sowat wie ´n Kommenismus. Weeß ick ooch von mein Vata. Jeda Köta hat sein Boom und pinkelt an ´n ran. Und keen Köta hat vorm anderen ´n Jeheimnis – jeda kennt jeden und jeda schüffelt an jeden rum. Mein Vata meente, det dit früha in die DDR ooch so wa. Naja. Un da Specht kricht vom Boom ´n Obdach – er dürf eben ´n Loch in ´n rinhacken – leida isset für Obdachlose zu kleen. Bäume sin ooch dekerativ wejen die vielen Inschriften. An de Krumme Lanke steht ´ne Linde und Linden ham ´ne weiche Schale wie manche Pipls ooch. Da hab ick mit ´n Taschenmessa ´n Herz dazujeschnitzt un drunta jeschriem: „Sandra ick liebe Dir – Dein Fritz!“ Am nächsten Tach stand danem „Fritze ist doof!“ Det war jarantiert olle Sandra, die mir nur leiden kann, wenn ick ihr ´ne Lulle rüwawachsen lasse. Se is nämlisch mein Schwarm aus de Parallelklasse und neune wie icke. Meine Mutter meente, det ick für so wat vill zu kleen bin. Da hab ick jesacht, det wa zusamm´, also Sandra und icke, achtzehn sin und deswejen schon roochen dürfen. Mein Vata hat mir anjekiekt, als ob ick spinn´, tu. Neune un neune is doch achtzehn, oda?“

    (Thomas Schmidt, Greudnitz – aus “Leidgenossen zwischen Krumme Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche“)

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