Bolle – Von den Tücken des Berliner Dialekt!

Der olle Bolle und die Bolle, tückisch, wat een Dialekt Unkundijer da so allet mit aleben kann.
Nehmen wa Tourist Gunter M., Herkunftsort unbekannt, fuhr er zum ersten Mal nach Berlin. Oberflächlich hatta sich ja mit dem Berliner Jargon vatraut jemacht. Aba die Tücke steckt eben im Detail. Nu wusste er, des ne Bolle in Berlin nen Loch im Strumpf iss. Da plagte ihm der Hunga, weshalb er nen orijinal Berliner Restaurant uff suchte. Doch wat las er da? Bollenfleesch jabs hier heute. „Fürchterlich“ sachte er zum Kellner, „Fleisch in einer löchrigen Socke?“ Doch der klärte Gunter M. uff: „Ne, ne Meesta, dit iss in Berlin Lammfleesch mit ville Zwiebeln, Bolle iss nämlich in Berlin ooch ne Zwiebel. Na Meesta, wie wär et damit?“ So bestellte Gunter M. sich also Bollenfleesch, mit dem er sich seene Wampe vollschlug. Satt und zufrieden verließ er schließlich dit Restaurant, um sich die Stadt weita anzukieken. Weila so zufrieden war und grinte, frachte ihn een Berliner: „Mensch, wat denn so lustich, freuste da ja wie Bolle!“ Da aschrak Gunter M. und sachte zu sich: “Man, wie schau ich denn gerade aus, wie ne Zwiebel oder nen Loch im Strumpf?“ Nee, nee Gunter M., dit war nich ironisch jemeint. Der Mann meente dit ernst mit dem freuen. Hätteste ma dit alte Berlina Volkslied vom ollen Bolle jekannt, der sich imma freute und von dem die Redewendung stammt.
Mit dem Milchkoufmann Carl Bolle (Bimmel-Bolle) hatte der übrijens nüscht zu tun. Der betrieb nämlich früha in Berlin ne Meierei, aus der späta nen Supamarkt hervor jing. Den Supamarkt gibt et nich mehr, aba dennoch sajen ville Leute imma noch, wenn se inkoffn jehen wollen: „Ick muss ma eben noch zu Bolle.“ Ooch die Redewendung „Preise wie bei Bolle“ jeht uff  Carl Bolle zurück.
Ebenso jibt et ne „Bollefete“. Damit iss denn ne Fete jemeint, wo jeda irjendwat zu futtern oda zu trinken mitbringt.
Ne kesse Bolle hinjejen iss ne kleene Jöre, die imma nen vorlauten Spruch uff de Lippen hat.
Nu reichts aba mit Bolle. Oda fällt jemanden noch wat zum Thema Bolle in?

Den Text vom Bolle Lied jibs übrijens hier:

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Baer&Zwiebel&Blog

 

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3 Kommentare

  1. Die Schlagfertigkeit des Berliners – eine Tücke, die im Berlinischen zum Ausdruck kommt:

    Buchstabensuppe für Analphabeten

    „Tach, mein Herr, ick helfe Ihn´ aus´m Mantel!“
    „Brauchen Se nich – will was zu essen!“
    „Bittschön – die Speisekarte!“
    „He – wo wolln Se hin?“
    „De Jäste bedien´, währen Se wähln!“
    „Bleiben Se hier – meine Mittagspause währt nicht ewig!“
    „Nach Ihrem Ton zu urteilen, sind Se bestimmt keen Arbeitnehma – Sie könnten sisch also Zeit nehmn! Außadem hm Se ja noch nich jewählt!“
    „Sie machen mir Spaß – Sie haben ja die Karte erst gebracht!
    „So?“
    „Sind Se so dämlich oder tun Sie nur so?“
    „Warum muss ick mir dit jefalln lassen?“
    „Warum sind Se Kellner geworden, Herr Ober?“
    „Owakellner! Un warum so zöjalisch bei der Wahl ´na Speise?!“
    „Weil man nichts lesen kann – Ihre Speisekarte ist ein einziges Geschmier. Lesen Se mir mal das erste Gericht vor!“
    „Sauabraten, Klöße, Rotkohl.“
    „Wird das alles im Ensemble serviert? Ich frage, weil es beim Vorlesen den Anschein hat, dass alle drei Dinge miteinander nichts zu tun haben!“
    „Is meine Annahme richtisch, det Se allet off een´ Tella ham wolln?“
    „Wollen Se mich für dumm verkaufen?“
    „Dit täte mir jut, aber leida bin ick nur für de Speisen zuständich!“
    „Frech werden Se auch noch! Bringen Se dieses Gericht, aber schnell!“
    „Se sin heute bestümmt mit det verkehrte Been offjestan´!“
    „Endlich ist bei Ihnen der Groschen gefallen!“
    „Nee, det jeschieht nur bei der Herausjabe det Rückjeldes!“
    „So sehen Se auch aus!“
    „Et macht wirklisch Freude, Sie zu bedien´!“
    „Dann tun Se´s endlich!“
    „Se ham et nich andas jewollt! Wa warn also beim Sauabraten stehen jeblieben. Tut mir leid, is aus – machen wa ´n Kreuz!“
    „Ist das alles, was Se drauf haben? Was ist das hier für ein Saftladen?“
    „Soll ick Ihn´ det nächste Jericht vorlesen? „Schweinshaxe im eichnen Saft“ … Tschuldigung – is ooch aus! Ach so – hier ham wa det Richtije für Sie – is sojar vorrätich. Da könn´ Se richtich droffflos löffeln. Is ´ne Buchstabensuppe für Analphabeten. Darin schwimmt nut det A. Kennen Se´s üwahaupt? Se sind sisch nich sicha – ick seh´s Ihn´ an. Herausnehm´ könn´ wa det A nich , denn dann wäret ja keene Buchstamsuppe. Se könn´ Ihrn Mund wieda zumachen, bis de Suppe serviert is! Stelln Se sich vor, darin würde det janze Alphabet rumschwimm´ – bestimmt würde Ihn´ der Appetit vajehn!“

    Thomas Schmidt
    Greudnitz

    (Aus Leidgenossen zwischen Krumme Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche)

  2. Denn schreib ick det liewa uff Berlinisch wejen die Disziplin:

    Ick finde, dit Berlinische is doch nich so tückisch. Nehm´ wa ma an, ´n Bayer bewürbt sisch in Berlin, um ´ne Stelle und bekommt se nisch. Reaktion: „Ja, Fixlatt ’n!“ Diesa Fluch is zwar jebräuchlich, awa nich ßu üwasetzen. (jebräuchlich, wenn ´n Baya verärjat is) Nächsta Beitrag: Berlina Kadainstrukteurin nimmt Bewerwung eenet Bayan nich an. Der Bayer knallt ihr Foljendet an ´n Hals: „Schiache Britschn!“ Möglichaweise läschelt die Dame freundlisch, denn se hat nischt vastan´. Ins Deutsche üwasetzt: hässliche Schlampe. Is die Instrukteurin üwajewichtich: „So a Blunzn!“ Übersetzt: dicke Blutwurscht, fettet Weib. Die Instrukteurin bleibt ooch hier freundlisch, denn se hat wieda nischt vastan´. Et jibt bei Google sojar ´n Üwarsetza Bayrisch-Deutsch. Was sacht uns dit?
    Berlinisch vasteht jedenfalls jeda, ooch wennet ins “Berlin-Platt” oda ins Unjezorene rutscht: Hör uff, ßu quatschen, olle Zicke – ick stech dir ´ne Bremse!“ Oda: „Mach deine Fressleiste ßu, de Sch… würd kalt eh!“
    Weg mit sowat – de Würde det Menschen is unantastbar!

    Sonst: Berlinisch is berühmt – ooch olle Glaßbrenna oda Tucholsky ham ´ne Aktie dranne …

    Ville Jrüße

    Thomas Schmidt
    Greudnitz

  3. Schon der Name Bolle birgt für Berlina Qualität. Nu ham wa hier noch ´n Zweeten – ´n Üwableibsel aus die Wendezeit. Et jibt nich nur Tücken betreffs Berlina Mundart, sondan ooch die unjewollte Rache det kleen´ Mannes, jenannt „Ossi“ – in diesem Falle isset Bolle, der sisch ooch nach ´m Mauafall maximum ´ne Rennpappe oda ´ne üwadachte Zündkerze leisten konnte. Jemeent is da Trabant. Unsa Ossi Bolle hat sisch denn selwa aus die Wendemisere jezoren, un zwar an den Haaren. Jetze issa fast der Jrößte un wird so anjesprochen:

    „Du, Bolle, kennste mir noch?
    Wo mein Bauch war, is jetzt ´n Loch.
    Wie isset dir ergang`?
    Hab mein Doktor an ´n Narel jehang´.
    Der olle Jargon is rinjebrochen,
    hab früha Hochdeutsch jesprochen.
    Ick hoffe, dir stört det nich –
    kümmerste dir ´n bissken um mich?
    Im Winta isset kalt
    un für de Brück bin ick zu alt.
    Ehrlich, Bolle, bin wieda der Olle!
    Spendierste ´ne Molle?
    Hab dir früher übasehn.
    Darf ick ´n Stücke mit dir jehn?
    Du mit ´n Trabi, ick mit Benz –
    fühlte mir wie ´ne Eminenz.
    Standest da mit Panne,
    ick vorbei volle Kanne.
    Konnte uns jut untascheiden –
    kannste mir noch leiden?
    Mich, den abjewrackten Pinkel,
    befreit von jedem Dünkel?
    Isset dafür zu späte?
    Haste ´n bissken Knete?
    Zurückezahlen kann ick nischt –
    Not am Mann – mir hat´s erwischt!
    Du, Bolle, bin wieda der Olle –
    will dir nie mehr übasehn!
    Darf ick ´n Stücke neben dir jehn?“

    Thomas Schmidt, Greudnitz.

    (Aus „Leidgenossen zwischen Krumme Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche)

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