Karriere inna Leistungsjesellschaft!

Bekanntamaßen haben wa ja nen Leistungsjesellschaft. Wer topfit und jebildet iss, im Beruf allet jibt, der schafft et nach oben. Des dit rein theoretisch jemeint iss, zeicht die Realität. Waren anfänglich nur schlecht ausjebildete Arbeitnehmer von Arbeitslosichkeit und jeringen Löhnen betroffen, jreift dieset Phänomen imma weiter um sich und areicht nun ooch die höheren Schichten. Wie dit so iss, mit der Karriere 2013, dafür hat der Berliner Hartz IV-Empfänger Klaus Klattke nen anschaulichet Modell parat.

Also, eenfach ma vorbeikieken. Dazu nur dit Bild anklicken:

Karriereradfertig

Advertisements

3 Kommentare

  1. Tachchen Herr Klattke!

    Ick bin Kalle Wumpe. Nich nur hier oben muss man et haben, sondan eben ooch hier. Könn´ Se sehn, wie ick uff mein´ Kopp un mein Bizeps tippe? Klar doch – in Jedanken! Mir isset jelungen, steil nach oben zu steijen – hab allet jejeben, wat in mir steckt, un zwar beim Ruffklettan. Ach so – det könn´ Se nich wissen: Ick hab mir im Juli als Kürschenpflücka vadung´. Et jibt da een´ Nachteil: So jut könn´ Se jar nich vadien´, wie Se pflücken müssen. Also hab ick det Problem uff meine Art jelöst. Jedenfalls is der Weg vom Ast in ´n Mund kürza, als bis zum Korb. Also hab ick mir erst ma den Wanst volljehaun mit „Schneiders späta Knorpelkische“ – det Kilo im Laden offe Wilmersdorfa Straße momentan 5,99 Eu – mal zwo macht unjefähr zwölf Euros – dit wäre ´n schöna Lohn. Natürlich kommt man uff keen´ jrün´ Zweig, wenn man ihn vaschlucken tut. Denn ham se mir jefeuat – Probe nich bestan. Ick hab denn nach die sachdienlischen Hinweise jefracht. „Brauchen wa nich!“, so der Vorarweita. „Hast ja bloß rumjefressen un nüscht jepflückt!“
    Meine Karriere jing zwar steil nach unten, doch Jott sei Dank war se nich dauahaft.

    Demnächst hier: Meine Bewerwung inne Wertpapierdruckerei.

    (Thomas Schmidt, Greudnitz)

  2. Wertpapiere drucken is geil, vor allem Euroscheine!
    Ick bin also vor Ort als Bewerba – hab janz weiche Knie, denn kommt de Erlösung:

    „Nehmen Se Platz, junger Mann! Wir haben eine großartige Empfehlung und Ihren tabellarischen Lebenslauf vor uns liegen. Er ist ein wenig lückenhaft, doch ich kenne Ihren Herrn Vater, den ehemaligen Senatspräsidenten – er hat ein gutes Wort für Sie eingelegt. Er und ich waren einst Kommilitonen, also Studienkollegen. Ich möchte gleich zum Kern der Sache kommen: Ihre Eltern besitzen einen vorzüglichen Leumund – dies ist wichtig für Bewerber bei der Bundesbank. Wie Sie wissen, machen wir aus Papier Banknoten. Sie waren bisher im Gartenbau tätig – die Info im Lebenslauf ist hier lückenhaft, wenn nicht sogar unzureichend. Nun, ohne Ihren Vater säßen Sie nicht hier. Wir werden Sie ausreichend qualifizieren, und die neue Tätigkeit wird Ihnen bestimmt Freude bereiten. Wir benötigen von Ihnen noch ein polizeiliches Führungszeugnis – in Ihrem Fall nur der Ordnung wegen. Bei Ihnen habe ich keine Bedenken – die ersten Eindrücke sind immer die Besten. Ich würde Sie sogar ohne Probe einstellen. Jetzt sind Sie an der Reihe! Wie begründen Sie Ihren neuen Berufswunsch?“
    „Geldscheine drucken is geil, eh!“
    „Etwas genauer! Vielleicht wissen Sie auch nicht, was Sie fragen sollen, bedingt durch Ihren fachlichen Notstand. Also mal ganz grob: Die Papierbögen werden auf einem Rüttelbrett aufgelockert. Ein Messer schneidet dann die Geldscheine millimetergenau zu.“
    „Schön! Un üwaprüfen Se ooch, wat jeda Mitarbeita so am Tach an Papier verwürjen tut?“
    „Ich verstehe Ihre Frage nicht!“
    „Also: Ick schieb det Papier vorne rin un hinten kommt der Zasta raus – is ´n fettes Ding, eh! Kiekt mir da eena offe Finga? Se kieken so entjeistat! Ick wollte bloß andeuten, woroff et mir nich so besondas ankommt!“

  3. Lieba Herr Klattke,

    hier bin ick wieda! Eene Spalte fehlt bei det Jlücksrad: Der Jlückspilz kricht ´ne Spende aus ´na Millionärskasse. Offe Million zwee Riesen? Et jibt fast eene Mio. Millionäre in D., die sisch unsaeen´ bestümmt erbarm´ tut. Komm´ wa da in´ Hundestall nach Brot?
    Um nich nur zu saren, wa werden ausjebeutet – wa leben ja inna Leistungsjesellschaft. Vor einija Zeit hab ick mir als Koch beworben. Wo, det können Se jleich nachlesen. Jedenfalls ham sisch fünfhundat Berwerba uff eene Anzeije jemeldet. Keena von den Bewerban wusste, dasset nur eene Stelle jab. Icke hab ´nen juten Kumpel bei da Anzeijenannahme un der hat jesung´. Der Arbeitjeba hatte eene Stelle zur Vafujung. Er hat vasucht, aus fünfhundat Bewerban ´ne Einmann-Arweita-Elite rauszufischen. Is det nich ´n bissken zu kapetalistüsch? Hier is mein Bericht von meina Bewerbung vor Ort in Dialogform – ick hab ja jewusst, det se mir schonn wejen det Altas nich nehm´:

    In der Reichstagsküche

    Schön, dass Sie da sind! Ich suche nämlich einen Chefkoch für unsere Reichstagsküche – er muss alles können!“
    „Trifft sich jut – ick kann Blockflöte spielen und ´n bissken Leier. Ick meene, wenn die vom Reichstach Untahaltung brauchen, wenn se mal nüscht zu tun ham.“
    „Das fängt ja gut an! Unterhalten Sie die Leute gefälligst mit Ihren Kochkünsten! Können Sie überhaupt kochen?“
    „Und wie – zum Beispiel während der Nachrichten in der Presse! Ach so – Se sind beim Essen! Da jibt´s die untaschiedlichsten Jerichte. Man nehme …“
    „Das mit der Zwiebel und dem Lorbeerblatt ist ´n alter Hut. Gleich ´ne Frage: Wie wird dieses Blatt verwendet?“
    „Man würzt de Zwiewel!“
    „Sie sind ja drollig! Kennen Sie die Muskatnuss?“
    „Kennen is zu vill jesacht!“
    „Und wo gehört Majoran hin?“
    „Zu ALDI – steht offe Vapackung.“
    „Sprechen Sie leise – wo wir unseree Gewürze einkaufen, muss nicht jeder wissen! Ich nahm an, Sie wüssten wenigsten, wo man dieses Gewürz verwendet. Sie haben von nichts Ahnung, obwohl Sie gar nicht so aussehen. Ich zeig Ihnen mal Ihren Arbeitsplatz – kommen Sie!“
    „Toll diese Küche – wat man hier allet vaanstalten kann!“
    „Wir veranstalten nichts, wir kochen für tausend Leute!“
    „Aha! Und wat is det für ´n langes Ding mit den Löchan?“
    „O je, eine Kelle!“
    „Schön det so wat existiert! Da kann man die vom Reichtstag zur Räson bringen, wenn se bei der Essenausjabe drängeln.“
    „Hören Se auf, rumzublödeln! “
    „Tschuldjung! Und mit der Kelle wird vorher allet umjerührt.“
    „Blödsinn – dafür gibt´s Rührlöffel!“
    „Jut, wenn nüscht umjerührt wird. Denn hat man nich so vill Stress. Außadem kommt allet beim Kochen durcheinanda, wie inne Polletik. Ick wollte nich vom Thema abschweifen – ick meene durch det Brodeln. In da Polletik brodelts ja imma, ooch zum Schein. De Leute solln ja denken, det sich wat tut. Wie wärs denn ma mit Weißen Bohnen für ´n Reichstag? Da täte sich wat – würde zum Beispiel de Atmosphäre ´n bissken offlockan.“
    „Ich komme mir vor, als wäre ich Sie!“
    „Se wolln damit saren, det Dummheit ansteckend is! Lassen Se uns ruhig noch ´n bissken diskutiern. Vielleicht wissen wa nachher, ob´s stümmt. Wobei ick jleich bei meinem Leibjericht wäre. Dit is Jrützwurscht mit Sauakraut!“
    „Das ist mir zu blöd! Im Reichstag wird es dieses Gericht nie geben!“
    „Tote Oma kricht nur der Pöbel, ick weeß! Denn rühern wa allet durcheinanda, denn merkt keena, off wat er sich einlässt.“
    „Durch das Rühren entsteht ein unappetietlicher Fraß – das Auge ist nämlich mit!“
    „Versteh ick – dauat lange, bis de Poletika denn wieda klarkieken! Ick finde sowieso, det die alle zu vill essen!“
    „Letzte Frage: Haben Sie überhaupt schon mal etwas angerichtet?“
    „Mit mir kriejen Se nie Probleme – richte nie wat an!“
    „Kann ich mir vorstellen und ich sehe schwarz für Sie. Mal sehen, ob Sie höflich sein können. In jedem der Gefäße, die Sie hier sehen, befinden sich Gerichte für den gleichen oder darauf folgenden Tag. Jemand will morgens wissen, was es mittags zu essen gibt. Ihre Reaktion!“
    „Ick zeije mit da Kelle off det jeweilige Jericht.“
    „Das ist unhöflich – Sie müssen Rede und Antwort stehen! Noch mal von vorn:
    Jemand will dienstags wissen, was es am Mittwoch gibt.“
    „Ick weeß nich, ob die Kelle lang jenug is! Also nehme ick den Schruppa.“

    (Aus „Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche“)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: