Ville Dörfa sind Berlin: Aus Dalldorf wird Wittenau

Fracht man eenen selbst ortskundijen Berliner nach Dalldorf, wird man meestens nur vaständnisloset Koppschütteln ernten. „Keen ick nich, nie jehört,“ wird oftmals die Antwort seen. Doch der Titel vom Beitrach varät schon dit Problem. Dalldorf wurde umbenannt und et vabirgt sich der allseits bekannte Reinickendorfa Ortsteil Wittenau dahinta. Doch zunächst eenmal nen kleena Rückblick in die Jeschichte:

Dalldorf wurde um 1230 jejründet. Ersmals urkundlich awähnt wurde Dalldorf (damalije schreibweise Dalldorff, manchmals ooch Daldorp) im Jahre 1322. In diesa Zeit befand sich der Ort bis 1558 im Besitz vom Benediktinerinnen-Klosta Spandau. Nach der Reformation wurde Dalldorf denn vom Amt Spandau vawaltet. Jahrhundertelang lag dit Dörfchen weit vor den Toren Berlins. Et wurde Ackabau und Viehzucht betrieben. Mit der Industrialisierung nahm ooch Dalldorf Uffschwung und alangte schließlich im Berliner Raum Berühmtheit und jing in den Sprachjebrauch det Berlnier Dialektes ein. Zwischen 1877-1879 arrichtete hier die Stadt Berlin nämlich die „STÄDISCHE IRRENANSTALT ZU DALLDORF“. Schnell wurde Dalldorf deshalb im Berliner Raum zum allgemeenen Bejriff für Nervenheilanstalten. Dit war denn ooch der Jrund, Dalldorf umzubenennen. Die Bewohna wollten nich, dess ihr Ort mit ner Irrenanstalt jleichjesetzt wurde und stellten den Antrach uff Umbenennung. Namensgeba war der beliebte langjährije Amtsvorsteha von Dalldorf Peter Witte (1822 in Uetz-1902 in Dalldorf). So wurde der Ort 1905 in WITTENAU umbenannt. Jenutzt hat et dem Ort alladings wenich. Denn ooch Wittenau wurde im Volksmund schnell zum Synonym für die Irrenanstalt. Dit ändert sich erst nen bisken mit der Umbenennung der Irrenanstalt im Jahre 1957. Da wurde se in Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik umbenannt und die Berliner Schnauze formte daraus den Namen „BONNIES RANCH“. Wittenau trat als Synonym für Irrenanstalt damit in den Hintajrund, wird bis heute dennoch hin und wieda von den Berlinern dafür vawandt. „Mach nur weita so, denn kommste nach Wittenau…“
Neben der Nervenheilanstalt siedelte sich in Wittenau jede Menge Industrie an, so z.B. die Borsig-Werke. 1920 wurde der Ort mit dem „GROß-BERLIN-GESETZ“ nach Berlin eenjemeindet und kam zum neujeschaffenen Bezirk Reinickendorf zu dem Wittenau als Ortteil bis heute jehört.

Vom ehemals märkische Dorf hat sich bis in die Jejenwart der Dorfanga, heute Alt-Wittenau jenannt ahalten. Alt-Wittenau befindet sich nur wenije hundert Meta vom Rathaus Reinickendorf. Hier steht in der Mitte die eenstije Dorfkirche von Dalldorf die um 1480 arichtet wurde und bis heute trotz Brände und Kriegsverstörungen ahalten iss. Die Kirche der evanjelischen Jemeinde Alt-Wittenau steht, umjeben von Bäumen und einijen ahaltenen Jrabstellen aus dörflichen Zeiten, uff dem breiten Mittelstreifen vom heutijen Dorkern. Um dem ehemalijen Dorfanga haben sich einije Häusa aus dem 19. Jahrhundert, so z.B. dit Pfarrhaus aus dem Jahre 1865, ahalten. Hier hat sich der dörfliche Charakta noch deutlich ahalten.

 

 

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4 Kommentare

  1. […] Drumherum lajen also für lange Zeit zunächst Felda und Wälda und et wurden jede Menga Ortschaften jejründet. Ville Berliner Bezirke und Ortsteile trajen bis heute Namen, die „dorf“ als Endung enthalten. Hier wären z.B. Namen wie DAHLEM-DORF, HELLERSDORF, MARIENDORF, REINICKENDORF, SCHMARGENDORF, WILMERSDORF oda ZEHLENDORF zu nennen. Hinzu kommen jede Menge Namen die ooch ohne diese Endung die historischen Namen alta Dörfa sind. Hier wäre z.B. zu nennen HEILIGENSEE, LÜBARS, PANKOW, RUDOW oda WITTENAU. […]

  2. […] bildeten, befinde ick mir nach wie vor in Reinickendorf. Nach Reinickendorf selbst und Wittenau bin ick jetz in Hermsdorf anjelangt. Der ehemalije Dorfkern befindet sich wenije hundert Meta […]

  3. […] und jede Menge Tiere wie z.B. Hühna und Pferde. Ick rede vom Nachbardorf von Hermsdorf und Wittenau, die ick beim letzten Mal besuchte. LÜBARS iss eene vabliebene ländliche, märkische Idylle uff […]

  4. […] besuche ick nach Reinickendorf, Wittenau, Hermsdorf und Lübars wieda een Dorf, welchet bei der Jründung von „Groß-Berlin“ den […]

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