Berlinerisch: Portjesche

An ihnen kam niemand vorbei. Se beherrschten Berlins Hausflure und Treppenuffjänge. Üba „IHR“ Haus und seene Mieta wussten se jenau Bescheid. Wenn se jrad jewischt hatten, waren se brandjefährlich. Denn wurde der Schruppa quer jestellt und der Hausflur vateidigt, bis der Boden trocken war. Wehe dem, der danach ihr frischet Werk zastörte und nen Krümmel oda jar ne Zijarettenkippe uff den jebohnerten Flur fallen ließ…

Doch wie so ville Spezies in unsera Stadt vabarg sich ooch hinta ihra rauhen Schale nen weicha Kern. Se waren oftmals die Seele von der Mietskaserne. Wenn jemand allene lebte und krank im Bett lag, nach dem kiekte se und brachten ooch schon mal ne warme Suppe vorbei.

Leida nagte der Zahn der Zeit ooch an ihnen. Modernet, sojenanntet Jebäudemanajement, vadrängte Berlins Hauswartsfrauen, im Berliner Dialekt ooch Portjesche jenannt. Anonyme Putzkolonnen reinijen nu zumeeßt die Treppenuffjänge von Berlins Wohnblöcken. Doch hier und dort jibt et se doch noch. Eene richtije Portjesche fand ick in Cöpenick. Eijentlich wollte ick nur kurz in Zilles Stubentheata rinkieken. Doch Frau Krinelke stellte sich mir in den Wech. „HIER ISS JRAD JEPUTZT, HIER KOMMT KEENA RIN“, war die kurze und knappe Ansaje. Ick wollte schon abdrehen, da zeichte Frau Krienelke ihr jroßet Herz. Se hielt mir am Ärmel fest und zog mir in die jute Stube.

Se hatte sich jrad nen Kaffe jekocht und savierte mir ne Tasse jleich mit. Weil, wie jede Portjesche trascht ooch Frau Krinelke jerne. So azählte se mir binnen kurza Zeit alle Neuichkeiten aus Cöpenick die man wissen muss, oda ooch nich…

Selbst kommt die jute Frau Krinelke übrijens aus Hamburch. Iss also wie ville „echte“ Berliner ne Zujereiste und wacht hier nun seit Jahren üba dit Stubentheata. Der Hausherr kam übrijens ooch noch vorbei, war aba fünf Minuten zu spät dran und bekam dafür von Krinelke erstmal ordentlich Dresche.

SO ISS EBEN NE ECHTE BERLINER PORTJESCHE:

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2 Kommentare

  1. Jute Jeschichte. Kann dit seen, dat dit Wort von Portier abstammt? Damals jab dit zum Teil ja och richtje Portiers in den größeren Häusern, die später durch Schilda ersetzt wurden: Die stillen Portiers. Die französischen Wörter sind ja oft anders oosjesprochen worden.

    1. Stimmt – Portjesche stammt vom französischen Portier und iss eenjedeutscht. Früha waren et häufich ja ooch Ehepaare, die denn Portee und Portjesche jenannt wurden!

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